02.12.09 / Ein Rückblick auf 30 Jahre Uli Hoeneß
02.12.09 / Danke Uli Hoeneß
Uli Hoeneß: Der letzte Tag als Manager
Uli Hoeneß sagt Servus
Die Fußball-Bundesliga öffnete ihre Tore am 24. August 1963. Dies ist gut 46 Jahre her und mit Uli Hoeneß verliert die höchste Spielklasse nun einen einzigartigen Manager, der stolze 30 Jahre
lang das Schicksal der Bayern - und vielleicht nicht nur der Bayern - bestimmte. Grund genug für sportal.de, in der Vergangenheit zu graben.
Am 5. Januar 1952 geboren, wechselte der junge Hoeneß mit 18 Jahren zum großen FC Bayern. Ein Ziel, das er seit seiner frühen Jugend verfolgte und wofür er hart arbeitete. Waldläufe vor der
Schule, Sprinttraining im Leichtathletikverein und der Verzicht auf ein ausschweifendes Jugendleben waren seine Methoden.
Zwar schaffte er den Sprung und gab am 15. August 1970 sein Bundesliga-Debüt, doch eine erfüllte Spielerkarriere sollte ihm verwehrt bleiben. An Erfolgen sollte es nicht mangeln, denn Hoeneß
wurde Welt- und Europameister, gewann dreimal in Folge den Cup der Landesmeister, stemmte ebenso den DFB-Pokal wie auch die Meisterschale und im Weltpokal war er ebenfalls erfolgreich.
Karriereende nach Knieverletzung
Titel, nach denen andere Fußballer sich die Finger so lange lecken würden, bis man dies vielleicht zu einem Fetisch erklären könnte. Doch de facto dauerte seine wirkliche aktive Laufbahn gerade
einmal fünf Jahre. Es war das Europapokalfinale 1975 gegen Leeds United, als Hoeneß sich am Knie verletzte und in der 42. Minute das Feld verlassen musste.
Er zog sich einen Meniskusschaden zu, der damals aber nicht diagnostiziert wurde. So stand eine Operation nicht zur Debatte, schlichtes Auskurieren über die Sommerpause sollte den schnellsten
lebenden Stürmer Europas - so wurde Hoeneß seinerzeit genannt - wieder auf die Beine bringen. Doch im ersten Training brach die Verletzung wieder auf, der Außenmeniskus musste entfernt werden -
das Karriereende nahm seinen Lauf.
"Ich hatte immer ein dickes Knie. Jeden Abend lag ich auf der Couch und habe Umschläge gemacht, Retterspitz, Eis oder Alkohol", erklärte er gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Unter Schmerzen
spielt Hoeneß noch einige Jahre weiter, bevor er mit 27, als Spieler des 1. FC Nürnberg, die Stiefel an den Nagel hängt. Noch heute schaut er mit ein wenig Wehmut aus dem Büro auf den grünen
Rasen und sagte im Magazin der Süddeutschen: "Wenn mir in der Anfangszeit als Manager ein Arzt bestätigt hätte: Dein Knie hält noch zwei, drei Jahre - fünf Minuten später wäre ich im Trikot und
Schuhen wieder auf dem Platz gestanden."
Adidas fragte an
Für seine Bayern war dieses Ende aber gleichzeitig der Neubeginn und ein damals nicht abzusehender Glücksfall. Fußballer werden gern als intellektuell ein wenig beschränkt wahrgenommen. Etwas,
das in keiner Weise auf Uli Hoeneß zutrifft. Schon mit 23 heftete er sich an die Fersen von Bayern Manager Robert Schwan, da er zu der Zeit schon nicht mehr in der Lage war, täglich auf dem Rasen
zu stehen.
Er lernte schnell und schloss den ersten Trikotsponsor-Vertrag (als Spieler) für die Münchner ab (Magirus). Auch wurde ihm bewusst, dass die Proficlubs zu sehr von Eintrittsgeldern abhänging
waren. Es sollte allerdings noch einige Zeit dauern, bis er den FC Bayern übernahm. Denn zuvor wechselte er, nach einem Zerwürfnis mit Trainer Gyula Lorant, zum Club aus Nürnberg und wäre fast
als Manager bei adidas eingestiegen. Hoeneß erklärte in der Süddeutschen, dass Adolf Dassler in Dynastien dachte und dazu versuchte, ihm neben eines Managerpostens auch die Tochter schmackhaft zu
machen.
Uli Hoeneß - Eine Karriere in Bildern 1/13
1970 ist Hoeneß noch Spieler bei Ulm 1846 und drückt nebenbei die Schulbank.
Es sollte anders kommen und nachdem sich der FCB 1979 von Robert Schwan getrennt und Geschäftsführer Walter Fembeck - der den Löwen seinerzeit Gerd Müller vor der Nase wegschnappte - ein kurzes
Intermezzo gegeben hatte, sollte Hoeneß nun dessen Posten als Manager übernehmen. Da die Ärzte ihm keine Garantie für sein Knie geben konnten, sagte er nach einer kurzen Bedenkzeit zu. Doch es
war ein Scherbenhaufen, den er vorfand. Zudem trat Präsident Wilhelm Neudecker keinen Monat nach Beginn seiner Managertätigkeit zurück. Sportlich und auch wirtschaftlich lag der FC Bayern am
Boden. Laut Hoeneß hatte der FC Bayern Schulden in Höhe von sieben Millionen Mark, bei einem Jahresumsatz von zwölf Millionen Mark.
Das zugige Olympiastadion
Nationale Ehre gab es letztmalig nach der Saison 1973/74, als die Bayern den Meistertitel holten. Mit Ablauf der Saison 1975/76 gewann der heutige Rekordmeister zum dritten Mal in Folge den Pokal
der Landesmeister. So saß Hoeneß also ab 1979 am Ruder uns schaute auf eine vergangene Saison, als sein Verein nur Rang zwölf erreicht hatte. Franz Beckenbauer weilte längst in den USA, Sepp
Maier musste wegen eines Autounfalls seine Karriere ebenso beenden wie Katsche Schwarzenbeck, den es an der Achillessehne erwischte hatte.
Doch andere Spieler rückten in den Vordergrund. Karl-Heinz Rummenigge, Klaus Augenthaler und Paul Breitner waren die bestimmenden Figuren und auch der neuverpflichtete Dieter Hoeneß wurde zu
einer Institution. Ihn bekamen die Bayern für eine Ablöse von 175.000 Mark vom VfB Stuttgart. Diese feste Ablöse hatte Uli Hoeneß für seinen Bruder ausgehandelt, als dieser beim VfB anheuerte. Es
war einer der ersten Verträge mit einer solchen Option, wie er im kicker erklärte. Der Umbruch war abgeschlossen und unter der Führung von Hoeneß ging es dazu auch wirtschaftlich bergauf.
Denn nach einem Besuch in den USA erkannte er, dass die Zuschauereinnahmen nicht die einzig tragende Säule des FC Bayern sein durfte. Gerade das Olympiastadion eignete sich in etwa so für einen
winterlichen Abstecher, wie ein Diver auf einem Scherbenhaufen von Christoph Daum. Neben den Eintrittsgeldern verteilte Hoeneß die Einnahmenpolitik auf Sponsoring, TV-Gelder und Merchandising.
Gerade die Fanprodukte waren bis dato in Deutschland in der Fülle kaum erhältlich. Dazu ging es um ein neues Stadion, das mehr Komfort bieten sollte - ein Traum, der später in Erfüllung ging und
auf Lebzeiten mit dem Namen Hoeneß in Verbindung gebracht werden wird. Insgesamt steigerte Hoeneß den Umsatz um das Fünfzigfache auf etwa 300 Millionen Euro.
Nie mehr Willi Lemke
Der Rest ist Geschichte. Uli Hoeneß wurde zu einer Art Mr. FC Bayern und sollte die Geschicke der Süddeutschen für stolze 30 Jahre lenken. Was ihn sicherlich auch so einzigartig macht, ist die
Art, mit der er sich bei gegnerischen Fans so unbeliebt gemacht hat - jedoch nicht, ohne auch eine gewisse Anerkennung zu ernten. Denn er verteidigte seinen Verein mit jedem nur erdenklichen
Mittel, auch wenn er dafür in der Öffentlichkeit kräftig Prügel bezog.
Viele Geschichten kommen einem spontan in den Sinn, wenn man sich mit dem Manager auseinander setzt. Da war die Entlassung von Otto Rehhagel kurz vor dem Finalspiel im UEFA-Cup, die Geschichte
mit Christoph Daum und der Kokain-Affäre, seine legendäre Wutrede gegen die eigenen Fans, der Flugzeugabsturz, bei dem er als einziger Reisender überlebte oder der Privatkrieg mit Willi Lemke -
der einzige aus einer langen Reihe von "Feinden", mit dem er sich nie wieder an einen Tisch setzen wird.
Er prägte die Abteilung Attacke, wobei Hoeneß einmal erklärte, dass kaum ein Wort unbedacht aus seinem Munde kommen würde - vieles sei Bedacht, um Schaden von der Mannschaft abzuwenden und den
Spot auf sich selber zu ziehen. Grundsätzlich ist Hoeneß ein Familienmensch, der den FC Bayern auch als solche sieht. Ein Angriff auf den Verein ist eine persönliche Angelegenheit. Auf der
anderen Seite versuchte er den Verein auch familiär zu führen und bekennt sich zu jedem seiner Angestellten.
Ob er nun für Samuel Kuffour ein Flugzeug bereitstellte, damit er nach dem Tod seiner Tochter schnell nach Ghana reisen konnte, Gerd Müller bei der Bekämpfung seiner Alkoholsucht unterstützte,
dem FC St. Pauli in finanzieller Not half oder die Schulden eines Angestellten seiner Wurstfabrik bei der Bank beglich - der harte und unnachgiebige Manager war er nur in erster Instanz, wenn es
um die Belange des Vereins ging.
Nerlinger folgt auf Hoeneß
So war es auch Hoeneß, der den Bayern das Sieger-Gen einpflanzte und stets von den Spielern erwartete, so mit dem Verein umzugehen, wie er es mit den Spielern tat. Ihm folgen wird der ehemalige
Spieler Christian Nerlinger. Die Fußstapfen sind sicherlich um einige Nummern zu groß und die Aura, die stets wie ein Schutzschild um den Verein gespannt war, muss Nerlinger sich erst
erarbeiten.
In gewissem Sinne wird der Rekordmeister einen Umbruch abseits des Spielfeldes unternehmen. Uli Hoeneß wird in die Rolle des Präsidenten schlüpfen und den ersten Schritt hat er bereits vollzogen,
seitdem er nicht mehr auf der Bank am Spielfeldrand sitzt. Wer nun jedoch glaubt, dass der gebürtige Ulmer die Finger nicht mehr im Tagesgeschäft haben wird, der irrt gewaltig.
Der FC Bayern ist sein Lebenswerk und der Verein wird sich auch in Zukunft auf seinen besten Angestellten verlassen können. Ob es genau so laut wie in den vergangenen Jahren sein wird, sei
dahingestellt. Doch hoffentlich bleibt dieses Original den Bayern und auch der Liga noch lange erhalten. Servus Uli.
