1998 - 2004
Die Hitzfeld-Ära - Große Triumphe nach großen Spielen

Im Sommer 1998 kam mit Ottmar Hitzfeld einer der renommiertesten deutschen Trainer an die Säbener Straße. Der gebürtige Lörracher legte ein beinahe perfektes erstes Jahr hin: Gewinn der 15. Meisterschaft, DFB-Pokal-Finale und Champions League-Finale erreicht. Dass es in Barcelona gegen Manchester United nicht reichte, dass der Europacup in wenigen Sekunden verloren ging (1:2) - es war eine bittere Erfahrung. Ebenso wie die Niederlage im Berliner Olympiastadion gegen Werder Bremen: 1:1 stand es nach der regulären Spielzeit und der Verlängerung, im anschließenden Elfmeterschießen zog man mit 4:5 den Kürzeren.

Doch Trainer und Mannschaft ließen sich von den Rückschlägen nicht schrecken und starteten mit dem Eintritt in ein neues Jahrtausend einen erneuten Angriff auf Europas Fußballkrone. Nach der dramatischen Niederlage gegen ManU im 99er-Finale hatte sich die Mannschaft um Oliver Kahn, Stefan Effenberg und Giovane Elber im Jahr 2000 besonders viel vorgenommen. Das bekam Anfang 2000 insbesondere „Lieblingsgegner“ Real Madrid in der CL-Zwischenrunde zu spüren. Innerhalb von acht Tagen schenkten die Bayern den „Königlichen“ gleich acht Tore ein (4:2 im Bernabeu-Stadion, 4:1 im Olympiastadion). Im Halbfinale trafen die beiden Dauerrivalen erneut aufeinander. Real rächte sich für die zwei Klatschen und stoppte die „Roten“. Aufgrund des 2:0-Erfolgs im Hinspiel reicht den Madrilenen eine 1:2-Niederlage in München zum Finaleinzug.

Titel gab es für den FC Bayern dennoch. In der Meisterschaft fing das Team von Trainer Hitzfeld auf der Zielgeraden noch Bayer Leverkusen ein. Die Werkself verlor am letzten Spieltag ausgerechnet gegen Absteiger Unterhaching und bescherte dem Rekordmeister am letzten Spieltag doch noch überraschend den Titel. Im DFB-Pokal nahm der FCB süße Rache an Werder Bremen. Nach der Final-Niederlage im Elfmeterschießen im vergangenen Jahr, besiegte man nun die Nordlichter glatt mit 3:0 und sicherte sich in der Spielzeit 1999/2000 zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte das Double. Oliver Kahn wird zum Spieler des Jahres gewählt.

Die Saison 2000/2001 werden wohl alle Fans und unmittelbar Beteiligten niemals vergessen. Zwar war im DFB-Pokal bereits in der zweiten Runde beim FC Magdeburg Endstation, doch in der Meisterschaft lag man nach 34. Spieltagen wieder einmal ganz vorne. Patrik Andersson sorgte mit einem Freistoßtor in der Nachspielzeit beim Hamburger SV für das entscheidende Meistertor. Kurios: Beim unmittelbaren Verfolger Schalke 04 war bereits Schluss und man feierte bereits den Titelgewinn...bis Andersson traf.

Mit diesem Motivations-Rückenwind reiste man am Vortag des 23. Mai 2001 zum Champions League-Endspiel gegen den FC Valencia nach Mailand. Es sollte die Krönung „des Jahres der Revanche“ werden. Zunächst schaltete man im Viertelfinale Manchester United aus, dann zog im Halbfinale Real Madrid den Kürzeren. Der FC Bayern gewann jeweils die erste Partie auswärts mit 1:0 und machte mit zwei 2:1-Erfolgen zu Hause alles klar. Im Endspiel avancierte Oliver Kahn zum Helden des Abends. Drei Strafstöße parierte der Keeper im Elfmeterschießen und sicherte beim 5:4-Erfolg (1:1, 0:1) n.E. nach einem Vierteljahrhundert den vierten Gewinn des Champions League-Pokals.

Auch in der anschließenden Saison 2001/2002 blieb der FC Bayern nicht ohne Titel. Zwar belegte man hinter Dortmund und Leverkusen „nur“ den dritten Platz in der Bundesliga und scheiterte im DFB-Pokal mit 0:2 n.V. im Halbfinale an Schalke 04, doch dank des Treffers von Sammy Kuffour beim 1:0-Sieg gegen Boca Juniors Buenos Aires kam im November 2001 der Weltpokal nach 1976 zum zweiten Mal in die bayerische Landeshauptstadt. In der Champions League scheiterte man im Viertelfinale an Real Madrid.

Nach einem Jahr Auszeit beendete der FC Bayern die Bundesliga-Saison 2002/2003 wieder auf dem Platz an der Sonne. Mit fast unglaublichen 16 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten Stuttgart dominierte man die Bundesliga nahezu nach Belieben. Auch im DFB-Pokal-Endspiel ließ man dem 1. FC Kaiserslautern beim 3:1-Sieg keine Chance. Zwei Treffer im Finale steuerte Michael Ballack bei. Er trat in dieser Spielzeit erfolgreich das Effenberg-Erbe an und der FCB holte sich zum vierten Mal das Double. Ballack wurde zum Spieler des Jahres gewählt. Einziger schwarzer Fleck: In der Champions League scheiterte man bereits in der Vorrunde. Doch alles Negative hat auch etwas Positives. Es war ein gewisser Roy Makaay, der mit seinem Treffern für La Coruna das Aus der Bayern besiegelte. Ein Jahr später sollte dieser Makaay für den FCB auf Torejagd gehen.

Im Sommer 2004 wechselte der Holländer für die höchste Ablösesumme der Vereinsgeschichte an die Säbener Straße. Doch schon bald zeigte es sich, dass der Torjäger jeden Cent wert ist. In seinem ersten Jahr erzielte das „Phantom“ Tore am Fließband. Aber auch der treffsichere Niederländer konnte nicht verhindern, dass die Saison 2003/2004 ohne einen Titel für den deutschen Rekordmeister endete. In der Meisterschaft wurden die Münchner hinter Werder Bremen zweiter, im DFB-Pokal war im Viertelfinale gegen Alemannia Aachen Endstation und in der Champions League scheiterte man an Real Madrid im Achtelfinale.

Die Enttäuschungen hatte zur Folge, dass Trainer Ottmar Hitzfeld nach sechs äußerst erfolgreichen Jahren in München Abschied nehmen musste. Mit vier Meisterschaften, 2 Pokalsiege, einem Champions League-Sieg und einem Erfolg im Weltpokal ist Hitzfeld einer der erfolgreichsten Trainer des FC Bayern. Nur Udo Lattek konnte mit dem FCB mehr gewinnen. Beim letzten Spiel der Saison 2003/2004 im Olympiastadion wurde Hitzfeld gemeinsam mit seinem Co-Trainer Michael Henke von den Bayern-Fans ein emotionaler Abschied bereitet. Mit Standing Ovations wurden die äußerst beliebten Trainer verabschiedet. Damit ging an der Säbener Straße eine Ära zu Ende. Für die Hitzfeld-Nachfolge wurde mit Felix Magath ein Coach verpflichtet, der in den kommenden Jahren die Erfolge seines Vorgängers fortführen soll.